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2015 - Recht und Gesetz

Keine Fleißpunkte für Minister Wenzel

(Hannover/27.04.2015/D)  Vertreter der Regionalkonferenz Grohnde haben den Niedersächsischen Umweltminister Wenzel heute im Rahmen einer Aktion vor seinem Ministerium aufgefordert, „endlich seinen atomrechtlichen Pflichten nachzukommen und die Maßnahmen anzuordnen, die erforderlich sind, um die im AKW Grohnde bekannten Schwachstellen und Sicherheitslücken zu beseitigen.“

Dazu erklärte Karsten Schmeißner (Klimaforum Detmold / Vorstand Rechtshilfefonds Grohnde):  Sehr geehrter Herr Minister, lieber Stefan Wenzel, bereits vor einem Jahr fand an dieser Stelle die Übergabe von mehr als 4000 Unterschriften statt. Mit ihrer Unterschrift haben diese in der Gefahrenzone lebenden Bürgerinnen und Bürger gefordert, das Atomkraftwerk Grohnde sofort stillzulegen, weil es nicht sicher ist. Die bei der vergangenen Revision aufgetretenen Defekte haben diese Menschen aufgeschreckt und ihre Sorge bestätigt." [Redetext Karsten Schmeißner als PDF]

In diesem Zusammenhang verwies Joachim Müller-Blanck (Vorstand Rechtshilfefonds Grohnde) auf die seit 2 Jahren vom NMU unbeantworteten Fragen der ToDo-Liste zur Beseitigung der Schwachstellen des AKWs. [Redetext Joachim Müller-Blanck als PDF]

Der Minister war nicht selbst zu der Veranstaltung gekommen, sondern ließ seinen Pressesprecher Zimmeck ein 29seitiges Papier verteilen, was er in den letzten zwei Jahren alles zu Grohnde gemacht habe. Dazu erklärt Peter Dickel, Braunschweig: „Die Anti-AKW-Bewegung verteilt keine Fleißpunkte, wir erwarten von der Atomaufsicht öffentlich nachvollziehbare Ergebnisse zu den offenen Frage. Das Ende der laufenden Revision wäre ein guter Zeitpunkt.“

Berichterstattung [RTL Nord] [HAZ und TAZ]

  Hintergrund

Risse in Belgien – AKW Grohnde auch betroffen?

(27.2.15/KS) 16.000 Risse im Stahl der Reaktordruckbehälter wurden bei aktuellen Untersuchungen an den Belgischen Atommeilern Doel 3 und Tihange 2 festgestellt. Beide Anlagen sind abgeschaltet. Ob sie jemals wieder ans Netz gehen können, ist fragwürdig. Jens Beus, Leiter der Belgischen Atomaufsicht FANC, zeigte sich aufgrund der offensichtlich unterschätzten Korrosionsaspekte sehr besorgt und warnte eindringlich alle Länder, die im Besitz von Atomreaktoren sind, dass es sich hierbei um ein weltweites Problem handele.

„Die hier aufgezeigte Problematik kann genauso gut den Reaktordruckbehälter des Atomkraftwerks Grohnde betreffen, denn der für den Behälter verwendete Stahl ist bereits während der Bauphase der Anlage veraltet und wegen seiner bekannten Rissempfindlichkeit sehr umstritten. Seit 30 Jahren ist Grohnde nun am Netz. Erst im letzten Jahr zeigten sich zahlreiche Defekte, die bei der vergangenen Revision sichtbar wurden und wohl schon länger in der Anlage schlummerten“, erläutert Karsten Schmeißner vom Anti-Atom-Bündnis „Regionalkonferenz AKW Grohnde abschalten“.

In einem Brief vom 19.2.2015 an den Niedersächsischen Umweltminister Wenzel bringen Vertreter der Regionalkonferenz ihre große Sorge bezüglich dieser Ereignisse zum Ausdruck. Sie fordern ihn auf, unverzüglich die Abschaltung der Anlage zu veranlassen, eine auf den neuesten Analyseverfahren basierende Sicherheitsüberprüfung am Reaktordruckbehälter einzuleiten und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Wir müssen die Situation sehr ernst nehmen. Hier geht es nicht um einen harmlosen Defekt, sondern um mögliche Schäden in der Schutzhülle des Reaktorkerns, dem Herzstück dieser Anlage. Im Sinne der öffentlichen Sicherheit muss Minister Wenzel die Anlage sofort herunter fahren lassen“, so die Vertreter des Bündnisses.

Karsten Schmeißner (52) ist Mitglied im Gründungsvorstand des Rechtshilfefonds, vertritt das Klimaforum Detmold in der Regionalkonferenz und arbeitet in der Atommüllkonferenz und an der Bestandsaufnahme Atommüll mit.